Schlaflose Nacht – Hilfe, die Spanier kommen!

Mitten in der Nacht kam er in Białowieża an. Der Bus voller Spanier. Jeder anständige Tourist aus Deutschland hätte sich nach der Ankunft still und leise auf sein Zimmer zurückgezogen. Nicht die Spanier. Wie die Heuschrecken schwärmten sie in alle Himmelsrichtungen aus, erkundeten den Dorfplatz und plapperten dabei so viel und so laut, dass im Dorf ans Schlafen nicht zu denken war. Eingemümmelt in eine Wolldecke schaute ich dem Spektakel von unserem Balkon aus zu. Lebendiger Spanischunterricht in einem polnischen Dorf direkt an der Grenze zu Weißrussland! Die Welt ist manchmal so erheiternd bunt. Los hombres locos.

In Deutschland liebevoll aufgenommen

Unser Vermieter in Białowieźa erzählt uns heute, dass er Anfang der 80er Jahre zwölf Monate lang in Deutschland als Waldarbeiter gearbeitet habe. Das war kurz nach der Verhängung des Kriegszusandes in Polen am 13. Dezember 1981. Er sei von den Menschen in Westdeutschland sehr freundlich aufgenommen worden und habe eine Welle der Solidarität erfahren, die sich unter anderem durch Geschenke von Textilien und Lebensmitteln ausgedrückt habe. Dafür sei er den Deutschen noch heute dankbar.

Konzert in Heilige Linde

Die Akkustik in der Kirche von Święta Lipka (dts.: Heilige Linde) ist fantastisch. Davon konnte ich mich heute Abend überzeugen. Vor etwa 100 Gästen spielten Maria Perucka (Geige) und Roman Perucki (Orgel) aus Danzig Stücke von Johann Sebastian Bach, Simon Preston, Kazimierz Wiłkomirski und Frédéric Chopin. Ich habe mit den meisten anderen Zuhörern direkt vor dem Altar gesessen. Von hier aus konnten wir auf die Orgel blicken, die der Königsberger Johann Josua Mosengel im 18. Jahrhundert gebaut hat.