Polen gegen Streubomben-Verbot

“Wstyd!” – Schande!, las man am Mittwoch auf der Titelseite der “Trybuna”, einer der größten überregionalen Tageszeitungen in Polen. Als eines von wenigen Ländern verweigerte Polen seine Unterschrift unter der Konvention zum Verbot der Herstellung und Anwendung von Streubomben. Die Konvention wurde am 3. Dezember in Oslo von über 100 Staaten unterzeichnet.

Keine Streubombe, aber eine Bombe für einen F-16 Kampfjet.

Die Differenziereung in mehr oder weniger humane Waffen ist per se absurd. Trotzdem darf und sollte man hervorheben, dass Streubomben zu den perfidesten Waffen überhaupt gehören. Sie verteilen große Mengen kleiner Sprengkörper, von denen viele nicht sofort explodieren, über große Flächen. Deshalb stellt Streumunition noch viele Jahre nach Beedngung bewaffneter Konflikte eine große Gefahr für die zivile Bevölkerung dar. Weiterlesen

Schnell, billig und unsichtbar

Tagtäglich haben Sprachmittler gegen die gängige Meinung zu kämpfen, fremdsprachige Texte würden sich eigentlich von allein übersetzen. Grundkenntnisse in der Grammatik einer Fremdsprache, ein Wörterbuch und Babel Fish machten einen qualifizierten Übersetzer – der für seine Arbeit auch noch angemessen bezahlt werden möchte – überflüssig. In einer halbstündigen Radiosendung im “Frauenforum” von NDR Info am vergangenen Sonntagabend ist die Journalistin Gisela Jaschik diesen Vorurteilen nachgegangen und hat vier freie Überstzerinnen zu ihrem beruflichen Alltag befragt. Den Link zum Podcast (Beitrag: “Die Reden der Anderen – Unsichtbare Vermittlerinnen”) finden Sie unter http://www.pepperpod.de/cast.php?id=2352&c=86.

Steffen Möller in Magdeburg ausgezeichnet

Steffen Möller.

Steffen Möller.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft ehrte am8. November 2008 in Magdeburg den Kabarettisten Steffen Möller für seine Bemühungen um ein besseres Verständnis zwischen Polen und Deutschen mit dem DIALOG-Preis. Der gebürtige Wuppertaler lebt bereits seit Jahren in seiner Wahlheimat Polen. Seine Erfahrungen und Beobachtungen hat der in Polen bekannte und beliebte Entertainer in einem Buch niedergeschrieben, in dem er augenzwinkernd Vorurteile auf beiden Seiten entlarvt und Klischées auf den Grund geht. Sowohl in Polen wie auch in Deutschland wurde „Viva Polonia“ zum Bestseller.

Allerheiligen im Promille-Rausch

Allerheiligen, der Tag, an dem der Toten gedacht wird, wird in Polen auf eine besondere Art begangen. Ganze Familien strömen auf die Friedhöfe, um die Gräber ihrer Verstorbenen mit Blumen zu schmücken und Kerzen oder Lämpchen als Zeichen des ewigen Lebens anzuzünden. Leider wähnen sich Manche schon zu Lebzeiten als unsterblich: Das vergangene Wochenende wird als rekordverdächtig in die polnische Unfallstatistik eingehen. Bei über 300 Verkehrsunfällen wurden 35 Menschen getötet und 420 verletzt. Im Zuge verschärfter Verkehrskontrollen hat die Polizei rund 1000 (!) betrunkene Fahrer gestoppt.

Polnischer Regisseur kämpft um Urheberrechte an seinem Film gegen die Ukraine

Jerzy Hoffmann, bekannter polnischer Regisseur, glaubt, im falschen Film zu sein: Der ukrainische Staat erkennt seine Autorenrechte an der Verfilmung des Romans “Mit Feuer und Schwert” (Teil einer Trilogie des Nobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz) nicht an. Der Film wird ohne Zustimmung des Regisseurs und ohne die Zahlung der ihm zustehenden Tantiemen im Fernsehen gezeigt und munter auf DVD vertrieben. Auch eine gerichtliche Klage auf Urheberrechtsverletzung brachte Hoffmann wenig Erfolg: Er unterlag in der Ukraine vor allen Instanzen mit der Begründung, er haben an dem Film keine Autorenrechte.

(Quelle: Online-Ausgabe der Gazeta Wyborcza vom 30. Oktober 2008)

Europäischer Gerichtshof weist Grundrechts- beschwerde der Preußischen Treuhand ab

23 Deutsche, vertreten durch die Preußische Treuhand GmbH, die wegen ihrer Vertreibung von ihrem Grundbesitz während des Zweiten Weltkriegs vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gegen Polen geklagt hatten, scheiterten. Das Gericht erklärte die Entschädigungsklagen für unzulässig. Seine Entscheidung begründete das Gericht damit, dass der heutige polnische Staat seinerzeit keine rechtliche Kontrolle über die damals zu Deutschland gehörigen Gebiete gehabt habe und daher auch nicht für die Vertreibung verantwortliche gemacht werden könne.

Marienkäfer auf Abwegen

Angenehm leer sind die breiten Nordseestrände der dänischen Jammerbucht im September. Auch die in Dünen eingebettete Ferienhaussiedlung bereitet sich langsam auf den Winterschlaf vor. Nur ein sanftes Wellenrauschen durchbricht die erholsame Stille. Ich lasse die Meinen gemütlich schlummern und mache mich leise auf zum morgendlichen Strandspaziergang. Der Nachbarshund wedelt schon vom Weiten fröhlich mit dem Schwanz, als er mich erblickt. Ein halbes Kalb, aber zum Glück von freundlichem Naturell. Die Seinen schlafen auch noch, also begleitet er mich auch heute hinunter zum Wasser. Ich bewundere die Geschicklichkeit, mit der sein unförmiger, schwerer Körper die lange, abschüssige Holztreppe bewältigt, die sich an die Steilküste schmiegt. Der Balanceakt erinnert ein wenig an den Tanz eines Elefanten auf einem Seil.

Jammerbucht

Versandeter Leuchtturm an der Jammerbucht. Foto: Barbara Woyno

Unten angekommen saust er ungehindert seiner Körperfülle ohrenflatternd auf einen gelben Punkt zu. Der gelbe Punkt schießt in die Luft und landet elegant segelnd auf dem Wasser. „Schlimmer Hund“ – fiept es in englischer Sprache. Der Hund bremst mit allen Vieren, neigt seinen Kopf leicht zur Seite und mustert neugierig den erschrockenen Mann. „Sie brauchen keine Angst zu haben, er will nur spielen“ – ich verpasse dem Hund einen leichten Nasenstüber und versuche, die gelbe Plastiktüte aus dem Wasser zu fischen. Rot leuchtet mir die Aufschrift “Biedronka” entgegen. “Der Marienkäfer” – eine große polnische Discounterkette. Unwillkürlich muss ich schmunzeln. Der Mann zieht einen Flunsch. „Bitte sehr“, sage ich auf Polnisch und reiche dem Mann das triefende Strandgut. Er läuft rot an. „Danke“, antwortet er leise in unser beider Muttersprache, dreht sich um und geht. (bw)

Big Bang um 9:30 Uhr

Punkt 9:30 Uhr beginnt heute eines der wohl spektakulärsten Experimente der Menschheitsgeschichte: In einem fast 30 km langen Teilchenbeschleuniger (dem LHC – der bisher größten Maschine, die der Mensch je gebaut hat) am Europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf sollen Protonenbündel nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden und dann aufeinander prallen. Mit dem Aufprall der Atomteilchen werden – 100 Meter tief unter der Erde – Bedingungen nachgeahmt, die vor ca. 14 Milliarden zum Urknall geführt haben. Wissenschaftler hoffen, aus dem Versuch wertvolle Rückschlüsse und Informationen über die Entstehung des Weltalls und über den Aufbau der Materie zu gewinnen. Weiterlesen

Stolpersteine der Geschichte

Bei einem Spaziergang über den Kieler Parkfriedhof Eichhof entdeckte ich ein großes Feld, auf dem die Opfer der Bombenangriffe auf Kiel im Zweiten Weltkrieg beigesetzt worden sind. Stutzig machten mich die ein wenig abseits gelegenen zahlreichen Grabsteine mit ausländischen, darunter auch polnischen, Namen, sowie ein Gedenkstein, dessen Inschrift in russischer Sprache der Menschen gedachte, die in deutscher Kriegsgefangenschaft gestorben waren.

Grabstein des Polen Michał Ignaczak. Die kleine schwarze Gedenktafel haben die Kinder von Ignaczak im Jahr 2003 auf das Grab gelegt. Die Inschrift lautet: Die Erinnerung stirbt nie. Zum 60. Todestag unseres geliebten Vaters, Tochter Irena, Söhne Józef, Stanisław Ignaczak, 15. September 2003

Grabstein des Polen Michał Ignaczak. Die kleine schwarze Gedenktafel haben die Kinder von Ignaczak im Jahr 2003 auf das Grab gelegt. Die Inschrift lautet: Die Erinnerung stirbt nie. Zum 60. Todestag unseres geliebten Vaters, Tochter Irena, Söhne Józef, Stanisław Ignaczak, 15. September 2003 Foto: Hilbert

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