Die zwei Musketiere

Fahrkarte Kiel - Lublin

Fahrkarte Kiel - Lublin

“Unsereins fährt zu dieser Zeit halt nicht weg”, stellt mit kundenfreundlicher Abwehrhaltung der Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Fahrkartenschalter des Kieler Hauptbahnhofs fest. Tja, ich bin echt ein böses Mädchen, dass ich ausgerechnet kurz vor Weihnachten mit der Bahn verreisen möchte und den armen Mann, dessen akkurat gestutztes D`Artagnan-Bärtchen nervös zu zucken beginnt, vor eine schier unlösbare logistische Herausforderung stelle. Mein Reiseziel: Lublin, Polen. Europa – müsste man meinen. Bei der Deutschen Bahn sieht man es aber offenbar anders. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, auf den Fahrplan der Polnischen Bahn (PKP) zuzugreifen, werde ich mit bunten Geschichten über bestechliche russische Bahnbeamte unterhalten. „Wissen Sie, in Polen gab es gerade einen Fahrplanwechsel“. Mir ist zwar der Zusammenhang zwischen dem Fahrplanwechsel der Polnischen Bahn mit der Korruption in Russland nicht ganz klar, der Erstere bereitete mir aber in der Tat Sorgen: Was tun, wenn knapp eine Woche vor dem geplanten Reisetermin keine Zugverbindungen verfügbar sind? Weiterlesen

Roman Polański verhaftet

Am letzten Sonnabend wurde der Regisseur Roman Polański auf dem Züricher Flughafen festgenommen. Er soll 1978 in den USA eine 13-Jährige vergewaltigt haben. Seitdem wird Polański in den USA steckbrieflich gesucht, weshalb er seit über 30 Jahren nicht mehr in die Staaten gereist ist (2003 erhielt er für den Film „Der Pianist“ den Oskar, den er aufgrund des Haftbefehls in den USA nicht entgegennehmen konnte).

Im vergangenen Jahr hat die Geschädigte beim Gericht einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens gegen Polański eingereicht. Die amerikanische Justiz setzte jedoch die Fahndung nach dem Regisseur nicht aus. (bw)

Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestags des Überfalls auf Polen

Westerplatte in Danzig. Foto: Frank Hilbert

Westerplatte in Danzig

Zum 70. Mal jährt sich heute der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Am frühen Morgen des 1. September 1939 provozierten deutsche Soldaten eine Schießerei in Gleiwitz, und deutsche Jagdbomber bombardierten die polnische Stadt Wieluń. Fast zeitgleich eröffnete der deutsche Linienschiff „Schleswig-Holstein“ Feuer auf die polnische Stellung Westerplatte in Danzig.

Anlässlich des runden Jahrestags finden heute in Danzig (auf der Westerplatte) Feierlichkeiten statt, zu denen auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Ministerpräsident Wladimir Putin kommen werden. Überraschend ist nicht nur Putins Zusage, an den Feierlichkeiten in Danzig teilzunehmen. Anerkennung verdient auch sein „Brief an die Polen“, in dem er (bis auf zwei bis drei aus meiner Sicht kontroverse Stellen, an denen Putin versucht, eine Symmetrie zwischen dem gegenseitig zugefügten Leid aufzustellen) erstaunlich offen die russisch-polnischen Ressentiments vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse analysiert und in einer gemeinsamen, objektiven Aufarbeitung der Geschichte den Grundstein für die russisch-polnische Verständigung und ein partnerschaftliches Verhältnis beider Länder in Politik und Wirtschaft sieht. (bw)

Rassismus-Vorwurf gegen Microsoft

Lokalisierung auf Microsoft

Lokalisierung auf Microsoft

In arge Erklärungsnot ist der amerikanische Softwareproduzent Microsoft geraten, nachdem bekannt wurde, dass in einer Werbung auf der Webseite des Unternehmens in Polen das Gesicht eines Schwarzen gegen das eines Weißen ausgetauscht wurde.

Auf dem Foto, das auf der amerikanischen Internetseite von Microsoft zu sehen ist, ist ein Schwarzer abgebildet. Tja, eine zu gut gemeinte Lokalisierung kann mächtig in die Hose gehen… (bw)

Madonnä Himmelfahrt

Am 15. August, dem Hochfest Mariä Himmerlfahrt, will Madonna ein Konzert in Warschau geben. Die Konzertveranstalter werben mit dem Slogan „Es ist kein Platz für zwei Königinnen in diesem Land”. Ein Schlag ins Gesicht für polnische Katholiken, die die Muttergottes als „Königin Polens“ verehren. Es hagelte Proteste von Menschen, die sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen. Aufrufe zum Boykott des Konzerts und Gebetsaktionen gegen die „satanische Provokation“ wurden gestartet.

Was soll man von der ganzen Sache halten? Als frei denkender Mensch tendiert man zu der Meinung: Wozu die ganze Aufregung – jedem Tierchen sein Pläsierchen. Lasst die alternde Diva doch in ihrem Glauben, eine Dea zu sein. Wer will, geht hin zu der Kreuzigungsshow, wer nicht, der betet halt seinen Rosenkranz. Pietätlosigkeit hin oder her. Schade nur nur, dass die Provokation, außer dass sie dem Kommerz dient, keinen tieferen Sinn zu haben scheint. (bw)

Und täglich grüßt die Praktikantin

Mit Werbeprogrammen auf viel besuchten Webseiten lässt sich mittlerweile gutes Geld verdienen. Daher sind auch Online-Inhalte eine heiß begehrte und lukrative Ware. Vor allem, wenn es nicht die eigenen Texte sind, wie manche schlitzohrigen Betreiber einiger, oft kommerzieller Webseiten meinen. Ist auch eine mühselige Sache, so einen Text selbst zu verfassen. Man muss häufig lange recherchieren, hin und wieder eine längere Reise unternehmen, jede Menge andere Texte lesen (Der bekannte polnische Reporter Ryszard Kapuściński hat einmal gesagt, um drei gute Sätze schreiben zu können, müsse man zuvor drei Bücher gelesen haben.), sich Notizen machen, manchmal tagelang konzipieren und die Gedanken schließlich in einem möglichst lesbaren Stil niederschreiben.

Das kostet Zeit – und Geld. Wozu aber die Mühe machen, wenn es doch mit ein paar Klicks viel schneller geht. Per Copy & Paste lässt sich in Sekundenschnelle jede Information von jeder beliebigen Internetseite in die eigene kopieren. Unrechtsbewusstsein? Fehlanzeige. Auf die Finger geklatscht, reagieren die Content-Diebe überrascht bis hin zu entrüstet oder gar aggressiv. „Urheberrechte? Nie gehört! Ist ja eh alles Allgemeinwissen und geistiges Allgemeingut. Wir stehen doch alle für dieselbe Sache ein, oder? Wie kann man nur so egoistisch sein! Von Ihrer Webseite haben wir noch nie etwas gehört, der Text kann gar nicht von Ihnen sein. Er ist bestimmt nur die Kopie einer Kopie, und dafür können wir nichts. Der von Ihnen beanstandete Text ist gar nicht im Internet abrufbar, er ist nur auf unserem Server gespeichert. Sind Sie da etwa eingebrochen?!“ (O-Ton des Webmasters einer deutschen Universität, deren Professor einen meiner Texte 1:1 abgekupfert hatte.)

Wenn alle Stricke reißen und Scheinargumente nicht weiterhelfen, muss der Tarnschild Praktikantin herhalten: Die Arme habe es sich mit den Formulieren möglicherweise etwas leicht gemacht…

Nun, an alle Hasen der Internet-Community: So verlockend das Möhrchen auch sein mag, möchte ich ausdrücklich davor warnen, meine Webseite für irgendwelche Zwecke auszuschlachten. Mittlerweile bin ich sehr findig (und erfolgreich) im Aufspüren von Plagiaten meiner Werke im Netz geworden. Und habe keine Scheu, auf Hasenjagd zu gehen! (bw)

Auseinandersetzung mit den wichtigsten Fragen an die katholische Kirche in Polen

Cover des "Jahrbuchs Polen 2009 Religion"

Cover des "Jahrbuchs Polen 2009 Religion"

Mehr Licht in die nicht immer leicht zu durchschauenden Prozesse in der Kirche und um die Kirche in Polen möchte das neue Jahrbuch Polen 2009 Religion des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt bringen.

Die Publikation vermittelt ein facettenreiches Bild des religiösen Lebens in Polen. Die Jahrbuch-Autoren fragen in erster Linie nach der Lage des polnischen Katholizismus wenige Jahre nach dem Tod des “polnischen” Papstes. Dabei geht es um eine wissenschaftlich fundierte, gut lesbare Art der Auseinandersetzung mit den wichtigsten Fragen an die katholische Kirche in Polen: Wird sie in einer weitgehend säkularisierten Welt der Postmoderne überleben? Hat sie Instrumente, um Entwicklungen von außen wirksam abzuwehren? Wird sie den gesellschaftlichen Herausforderungen Polens gerecht? Hat sie die richtigen Rezepte, um die Gesellschaft weiterhin “zu führen”, oder wird sie sich in ihrem Wesen doch ändern und die gegen immer neue vermeintliche Feinde errichtete “Festung” verlassen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Dieter Bingen (Kirche und Politik), Zbigniew Nosowski (Lage des polnischen Katholizismus heute) und Adam Szostkiewicz (Religiosität der Polen). Weiterlesen

O2 CAN`T do

"Versuchen Sie es doch morgen wieder."

"Versuchen Sie es doch morgen wieder."

Mit einem neuen Telefonanbieter wird alles anders. Nur nicht unbedingt besser. Der Wechsel von der Telekom zu O2 versprach günstigere Tarife und einen besseren Service. Zunächst einmal (abgesehen von dem falschen Router, der uns geliefert wurde) klappte fast alles wunderbar: Bereits eine Stunde nach der Übernahme unserer DSL-Leitungen durch den Telekom-Konkurrenten konnten wir surfen und telefonieren. Wir freuten uns, doch bekanntlich sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben.

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Luxusgut Archivmaterial

Im Museum des Warschauer Aufstands. Foto: Frank Hilbert

Im Museum des Warschauer Aufstands. Foto: Frank Hilbert

Im Zuge privater Familienforschung stieß ich im Internet auf ein Interview mit der Tochter meines Urgroßonkels, in dem sie über das Leben und Wirken ihres Vaters erzählt. Den besagten Urgroßonkel finde ich besonders spannend, weil er um seiner Verdienste für Polen im polnischen „Brockhaus“ – der Encyklopedia PWN – verewigt wurde und für mich eine wertvolle Quelle auf der Suche nach weiteren Vorfahren ist. Er war Mineraloge und Dekan der Chemischen Fakultät an der Technischen Universität (Politechnika) in Warschau. Im Zweiten Weltkrieg verlor er zwei Söhne (Der jüngere der Brüder, Andrzej, fiel bei der Verteidigung der Technischen Universität während des Warschauer Aufstands.) und unterrichtete trotz drohender Sanktionen seitens der deutschen Besatzer an der im Untergrund agierenden Geheimen Universität in Tschenstochau. Ihm ist auch zu verdanken, dass ein großer Teil der Sammlung des Instituts für Mineralogie und Geologie sowie der Bestände der Warschauer Hauptbibliothek vor der Vernichtung durch die Deutschen gerettet werden konnten. Weiterlesen